So schreibst du eine Kracher-Stellenanzeige, die Top-Kandidaten überzeugt

Stockfood / Marie Maerz

Du suchst händeringend einen neuen Mitarbeiter für dein Agentur-Team.

Der Job ist super, die Kollegen sind toll, die Stellenanzeige steht seit zweieinhalb Wochen auf StepStone. Eine super Chance für PR-ler.

Doch irgendwie meldet sich kein Bewerber, der zu euch passt. In deiner Inbox?

83 Bewerbungen – alles Einheitsbrei.

Ich verrate dir, woran das liegen könnte. Und wie du deine Stellenanzeige so formulierst, dass Top-Kandidaten ihr nicht widerstehen können.

Durch guten Text hebt sich deine Stellenanzeige von 914 anderen ab

Als Freelancer bin ich oft auf Stepstone, Monster & Co sowie in spezifischen PR-Jobbörsen unterwegs und schaue, wer aktuell sucht. Besonders beobachte ich PR-Jobs in der Food- & Beverage-Branche. Eine Nische, doch Angebote gibt es genug, wenn man denn lokal flexibel ist.

Umso erstaunlicher ist: Die Stellenanzeigen sind so attraktiv wie lauwarmes Bier an einem Sommertag.

Sie ähneln sich fast alle. Besonders der Part, in dem einstellende Unternehmen mal so richtig werben könnten, warum sie besser sind, als die Konkurrenz. Der enthält oft völlig austauschbare Beschreibungen. Nette Teams, spannende Kunden und viel Eigenverantwortung gibt es anscheinend in jeder Firma.

Ist das gut? Klar. Aber mal ehrlich: Das setzen Bewerber voraus

Eine Stellenanzeige ist ein Marketingtext, kein Verwaltungsdokument

Bei einer Stellenanzeige handelt es sich nicht um ein internes Stellenprofil, das Aufgaben mit Anforderungen abgleicht, sondern um einen Werbetext. Oftmals ist dieser Text der erste über den potentielle Bewerber mit deinem Unternehmen in Berührung kommen, wenn sie nach freien Stellen suchen.

Werbetext impliziert: Du willst eine Kracher-Stelle verkaufen. Auf die sich ein Bewerber bewirbt. Voll motiviert und mit Spaß in den Backen. Und dabei Anzeigen von Mitbewerbern links liegen lässt.

Wenn du die folgenden fünf Punkte beim Schreiben beherzigst, hebt sich deine Anzeige von den meisten Mitbewerbern ab.

Wie du in 5 Schritten eine Stellenanzeige schreibst, die Mitbewerber aussticht

Stellenanzeigen-Tipp Nr. 1: Mache schon im Titel Lust auf den Job

Der Titel fällt dem Bewerber als erstes ins Auge. Und er ist die erste Möglichkeit, dich direkt von euren Mitbewerbern abzuheben. Was euch besonders in Jobbörsen zugutekommt.

Junior PR-Berater? Ergibt bei Stepstone 914 Treffer. Die Jobbezeichnung muss rein, ganz klar, denn danach suchen die Bewerber. Aber zusätzlich kannst du schon im Titel anteasern, warum ein Job bei euch das Non plus ultra wäre.

Stellenanzeigen-Tipp Nr. 2: Schreibe für echte Menschen

Eine Stellenanzeige richtet sich nicht an eine Datenbank. Die potentiellen Bewerber da draußen sind tatsächlich Menschen.

Sie haben einfach zu lesende, packende, emotionale Texte verdient, in denen sie Verben nicht mit der Lupe suchen und Sätze nicht mühsam auseinanderklamüsern müssen, weil zu viel Nominalstil drinsteckt.

Stellenanzeigen-Tipp Nr. 3: Kandidaten sind nicht auf der Suche nach einem Job, sondern nach einem passenden Arbeitgeber

Mit Betonung auf passend. Bewerber haben Anforderungen und Wünsche, wuppen neben der Arbeit private Interessen und Familie. Überlege dir, wie euer typischer Wunschkandidat aussieht und was ihm wichtig ist. Und geh konkret darauf in der Stellenanzeige ein. Womit wir bei Folgendem wären:

Stellenanzeigen-Tipp Nr. 4: Bewerber suchen das gewisse Etwas. Biete es Ihnen

Ja, es gibt Unternehmen, die bieten ihren Bewerbern nichts. Nun ja, das ist etwas hart formuliert. Jedes Unternehmen bietet sicher so einiges, doch meist wird es in Stellenanzeigen nicht ersichtlich. Und genau da vertun viele Bewerbersuchenden ihre Chance.

Denn nette Kollegen, spannende Kunden und gutes Ambiente sind keine Highlights, für die Bewerber die Bude einrennen. Das sind Dinge, die Jobsuchende eh erwarten. Im schlimmsten Fall fassen Bewerber diese (oftmals aus anderen Stellenanzeigen abgeschriebenen) Floskeln so auf, dass Arbeiten bei euch nix Besonderes ist.

Stellenanzeigen-Tipp Nr. 5: Erzähle eine emotionale Story

Am Anfang jeder Anzeige sollte eine kurze Zusammenfassung stehen, wer ihr seid und was euch ausmacht. Dabei kann es ruhig ein bisschen persönlicher zugehen. Anstatt: "Wir haben Filialen in 27 Ländern und bieten unseren Kunden 360-Grad-Kampagnen", wäre es doch nett, das Ganze etwas emotionaler zu verpacken. Wenn euer Mitbewerber auch Filialen hat (und das hat er wahrscheinlich), sind eure Texte nämlich ganz schnell austauschbar.

Schreibt über die Menschen, die täglich mit Leidenschaft ihre Arbeit machen. Folgende Fragen könnt ihr euch als Hilfe stellen: Mit welcher Idee im Kopf hat der Gründer damals angefangen? Was ist euer wichtigster Unternehmenswert und wie wird dieser gelebt? Fragt eure Mitarbeiter, was sie an eurem Unternehmen als Arbeitgeber schätzen. Wetten, da kommen ganz konkrete Vorteile zu Tage, die sehr viel mehr hermachen?

Und hier nochmal zusammengefasst:

So umgehst du die häufigsten Fehler beim Schreiben von Stellenanzeigen                    

  1. Schreibe für deinen Wunschkandidaten und adressiere seine Anforderungen an einen perfekten Arbeitgeber.
  2. Hebe dich ab durch einen überzeugenden Titel.
  3. Finde eigene Worte und kopiere nicht die Anzeigen anderer oder das interne Stellenprofil.
  4. Schreibe leicht lesbar, packend, persönlich und verwende keinen Nominalstil.
  5. Biete dem Bewerber etwas. Verwende dabei keine Floskeln sondern werde konkret.
  6. Erzähle eine emotionale Story statt trockene Unternehmensfakten aufzulisten.

Die Idee zu diesem Post gab mir diese Woche die Berliner Agentur Idea Distillers. Die haben nämlich ein paar Dinge in ihre Stellenanzeige gepackt, die ich bei anderen Agenturen selten finde.

Sie schreiben zum Einen anders als andere: Da ist von einem Job ohne Schnapsideen und Agenturauswüchse die Rede und von Kunden, mit denen man auf Augenhöhe kommuniziert. Das lässt mich schon aufhorchen.

Zweitens gehen sie auf die Bedürfnisse der Kandidaten ein und nennen den Mehrwert für den Arbeitnehmer beim Namen: flexible Arbeitszeitregelung, keine Überstundenfalle, externe Weiterbildungen und eine für ein Startup überdurchschnittliche Vergütung.

Nun kann man seine Arbeitszeitregelung nicht kurz mal ändern, nur weil das Schreiben einer Stellenanzeige ins Haus steht. Aber wenn ihr eure Kollegen gefragt habt, was sie besonders schätzen, lassen sich auch hier einige Pluspunkte verwerten.

Was darf für euch in keiner Stellenanzeige fehlen? Lässt sich meine Liste erweitern? Und gibt es Agenturen, die es richtig klasse machen? Ich bin gespannt.

Foto: Marie Maerz / photocase.com